Laufende Projekte

Wissenschaftliches Netzwerk: „Queerlinguistik“

Das von der DFG geförderte Netzwerk „Queerlinguistik“ wird die Forschung zu Sprache, Geschlecht und Sexualität in Deutschland weiter voranbringen, sichtbar machen und etablieren. Queerlinguistik erforscht die komplexen Zusammenhänge von Sprache, Geschlecht und Sexualität mit macht- und normativitätskritischen Anreicherungen. Dabei sind drei Hauptbereiche zu identifizieren: sprachliche Strukturen, sprachliche Repräsentationen und sprachliche Konstruktionen. Im Gegensatz beispielsweise zum angloamerikanischen Raum steht die Queerlinguistik in Deutschland – in Bezug auf Forschung, Lehre und Institutionalisierung – noch am Anfang. Hier setzt das Netzwerk „Queerlinguistik“ an – es bringt einschlägig qualifizierte Wissenschaftler:innen mit verschiedenen Schwerpunkten und an verschiedenen Stadien der wissenschaftlichen Karriere zusammen. Ziel ist es neben einer forcierten queerlinguistischen Forschung und der Vernetzung der Wissenschaftler:innen, die Sichtbarkeit der Queerlinguistik in Deutschland zu erhöhen und diese Perspektiven in Forschung, Lehre und in der Hochschullandschaft insgesamt zu etablieren – dafür sind unter anderem diverse Konzeptpapiere, die Publikation eines Sammelbandes sowie die Vorbereitung eines Forschungsantrags geplant. Zudem legt das Netzwerk einen Fokus auf die Anwendung und den Transfer der gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Sprecher des Netzwerks zusammen mit Miriam Lind.

L, S, B, T, I, Q, A und */+? – Sprachliche Sichtbarkeit von queeren Menschen.

Das Projekt „L, S, B, T, I, Q, A und */+? – Sprachliche Sichtbarkeit von queeren Menschen.“ befasst sich mit den Kurzwörtern auf Basis von LSBT (bspw. LSBTI, LSBTIQ, LSBTIQA*). Das Projekt wird durch folgende Fragen geleitet: (1) Welche Kurzwörter werden verwendet (= Form)? LSBT/LGBT, LSBTI, LSBTIQ, LSBTIQA* usw.? Deutsche oder englische Formen? Wie oft, in welchen Medien und Kontexten? (2) Was bedeuten die Kurzwörter (= Bedeutung)? Während L, S/G und B in ihrer Bedeutung relativ eindeutig erscheinen, stellt sich die Fragen, was das T, das I, das A, das Q und der Asterisk/das Plus-Zeichen eigentlichen bedeuten (bspw. trans*, transgender, transsexuell). Haben sich die Kurzwörter von ihren Vollformen gelöst und werden beispielsweise in der Bedeutung von ‚queer‘ oder übergreifend verwendet? (3) Auf welche Personen wird mit den Kurzwörtern verwiesen/referiert (= Referenz)? Sind Bestandteile der Kurzwörter „voll“ oder „leer“? Kann durch weitere Verweisformen (Referenzen) in Texten ermittelt werden, auf welche Personen(-gruppen) sich die Kurzwörter beziehen: Lesben & Schwule, aber auch bi+, trans*, inter* oder queere Menschen?

Grundlage der Untersuchung war ein großes Korpus aus dem Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) mit 84.186 Belegen aus Onlinequellen. Ergänzend wurden Definitionen und Verwendungen aus Wörterbüchern sowie von queeren Organisationen analysiert. Ein Teil der Daten wurde manuell annotiert und quantitativ wie qualitativ ausgewertet. Insgesamt wurden 30.453 Kurzwörter annotiert und analysiert. Dabei konnten 169 unterschiedliche Formen identifiziert werden. Ein Großteil dieser Varianten tritt selten auf: 55 Formen kommen nur einmal vor, 114 Formen erscheinen mehrfach. Trotz dieser Vielfalt konzentriert sich der tatsächliche Sprachgebrauch stark auf wenige Varianten. Am häufigsten finden sich LGBT, LGBTQ und LSBTIQ*. Fasst man Grundformen und Varianten mit Sonderzeichen (+ und *) zusammen, dominiert LGBT– deutlich gegenüber allen anderen Formen.

Diese und weitere Ergebnisse wurden einer öffentlichen Abschlussveranstaltung am 18.12.2025 an der Universität Hamburg mit dem Titel „Queere Sichtbarkeit“ vorgestellt und diskutiert. Das Projekt wurde von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gefördert. In Weiterführung des Projekts findet zurzeit eine Umfrage statt. Die umfassenden Projektergebnisse werden in der nächsten Zeit veröffentlicht.

Ausführliche Informationen finden Sie auf der Projektseite.

Queer Voices

Queere Stimmen werden hier nicht in einer übertragenen Bedeutung verstanden, sondern vielmehr Stimmen als Gesamtkomplex der Artikulation von Lauten. Mit unserer Stimme können Rollen-, Gruppen- und Handlungsmuster produziert werden, die wiederum von anderen perzipiert werden. So können auch sexuelle wie geschlechtliche Identitäten und Rollen durch die Verwendung sprachlicher – vor allem: lautlicher – Merkmale im konkreten Kontext und in Kombination mit anderen Merkmalen „gemacht“ und angezeigt (doing & indexing) sowie gelesen und wahrgenommen werden. In dem Projekt beschäftige ich mich mit verschiedenen Aspekten der Zusammenhänge von Stimme und Sexualität (Queerness). Dies bezieht sich einerseits auf das Konzept von schwulen Stimmen (oder: schwulem Sprechen) (vgl. Vorberger 2024, Sörries-Vorberger i. Vorb.). Andererseits interessieren mich – und darauf liegt aktuell der Fokus – queere Stimme jenseits von Binaritäten (maskulin – feminin, hetero – schwul). Im Deutschen gibt es kaum (sozio-)linguistische oder (sozio-)phonetische Forschungen zu trans Menschen oder nicht-binären Menschen – Stimmen inbegriffen. Das möchte ich ändern und herausfinden, was (in einem ersten Schritt) trans Stimmen alles umfassen, welche Konzepte es gibt und wie der alltägliche Sprachgebrauch aussehen kann.

Für dieses Vorhaben habe ich Aufnahmen (Interview, Vorlesetext) mit zwei trans Frauen durchgeführt: Lia Şahin, Künstlerin (Beatboxerin, Rapperin, Produzentin), und Philippa Jarke, Synchronsprecherin, Schauspielerin, Produzentin. Philippa Jarke ist zudem die Sprecherin der Ansagen der Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), die mir in einer Kooperation die Aufnahmen zur Verfügung gestellten haben. Ich habe die Ansagen von 182 U-Bahnhöfen sowie die Vorlesetexte und Interviews aufbereitet und akustisch ausgewertet (F0-Mittelwert + Umfang, Pitch Sigma, Jitter, Shimmer, CPP, HNR, F1 + F2, Intensität, Sprechrate, Konsonanten-Vokal-Verhältnis, CoG + Skew /s/, VOT). Mit einer Auswahl der U-Bahnansagen wurden zudem drei verschiedene Perzeptionsexperimente durchgeführt. Es liegen umfangreiche Ergebnisse zur Produktion, Perzeption sowie zu methodischen und soziophonetischen Implikationen vor, die in verschiedenen Vorträgen präsentiert wurden. Eine Publikation der Ergebnisse ist in Arbeit.

Zudem besteht eine Zusammenarbeit mit dem Medical Voice Center am UKE (vgl. https://mevoc.de/). Von diesem wurden mir Aufnahmen (Vorlesetexte, Auflistungen, Interviews) von 30 Patient:innen vor und nach einer Stimmfeminisierung zur Verfügung gestellt. Ab Mai 2026 werden die Daten in Zusammenarbeit mit einer wissenschaftlichen Hilfskraft aufbereitet. Dies bildet die Grundlage für halbautomatische akustische Messungen. Ziel ist es allgemein, trans Stimmen im Deutschen aus einer linguistischen Perspektive weiter zu erforschen, da hier ein großes Desiderat besteht. Unter anderem wird ermittelt, welche akustischen Parameter – jenseits der Grundfrequenz – sich nach einem invasiven Eingriff verändert haben – was auch Erkenntnisse zur grundlegenden Vergeschlechtlichung von Stimmen erbringen kann.

Abgeschlossene Projekte

Cross-Disciplinary Teaching Lab (CDTL) „QuZuKoDiLi – Queere Zugänge zur Korpus- und Diskurslinguistik“

Das Projekt „QuZuKoDiLi – Queere Zugänge zur Korpus- und Diskurslinguistik“ bestand aus der Durchführung eines Seminars mit dazugehöriger Übung im Vertiefungs- und Masterbereich – jeweils im Wintersemester 2024/2025 und Sommersemester 2025. Es hatte zum Ziel, Queerlinguistik und Digital Humanities in Forschung und Lehre zu vereinen. In den Lehrveranstaltungen wurden (1) allgemeine Digital- und Datenkompetenzen (Data & Digital Literacy), (2) fächerübergreifende Methoden (Datenerhebung, -aufbereitung, -management, -analyse und -darstellung) und (3) fachspezifische Inhalte und Methoden (Queer-, Diskurs- und Korpuslinguistik) vermittelt. Zudem wurde ein Konzept für geisteswissenschaftliche Lehrveranstaltungen im Sinne des CDTLs entwickelt. Es umfasst ein Schema für eine Lehrveranstaltung (Konzeptpapier mit Ablaufplan, inhaltliche Strukturierungen, Modulen für einzelne Sitzungen), das für alle Sprachwissenschaften adaptiert werden kann, und Lehr- und Lernmaterialien im Rahmen der Digital Humanities:

Sörries-Vorberger, Lars / Sökefeld, Carla: Lehrkonzept Data & Digital Literacy – Queere Zugänge zur Korpus- und Diskurslinguistik. Cross-Disciplinary Teaching Labs. Hub for Crossdisciplinary Learning, Universität Hamburg. https://doi.org/10.25592/uhhfdm.18000

Im Seminar wurden inhaltliche und methodische Aspekte (Queer-, Diskurs- und Korpuslinguistik) forschungsnah diskutiert und anschließend in der Übung praktisch umgesetzt. Als Beispiel kann die Fragestellung dienen, welche Personen- und Gruppenbezeichnung für queere Menschen (bspw. Lesben vs. homosexuelle Frauen) verwendet werden und wie sie gegebenenfalls variieren (Frequenz, Medium usw.). Dazu wurden vorhandene Korpora (bspw. DeReKo, QLK) quantitativ analysiert, gleichzeitig auch eigene Daten erhoben, aufbereitet und ausgewertet – dies bezog sich ergänzend auf (kritische) Diskursanalysen und multimodale Ansätze. Neben vorhandenen Korpora wurden unter anderem folgende Ressourcen für die Datenaufbereitung, Datenanalyse und Datenpräsentation genutzt: DATS, CATMA, DeReKoVecs, DWDS-Wortprofil, Queeres Netzwerk des Tages. Die parallele Erstellung eines Konzepts für geisteswissenschaftliche Lehrveranstaltungen

Weitere Informationen unter: https://www.hcl.uni-hamburg.de/ddlitlab/data-literacy-lehrlabor/dritte-foerderrunde/03-quzukodili.html

Geschlechtergerechter Sprachgebrauch an der UHH – GGS-UHH

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Geschlechtergerechter Sprachgebrauch an der Universität Hamburg – GGS-UHH“ wurde eine Online-Umfrage durchgeführt. Das Thema geschlechtergerechter Sprachgebrauch ist nach wie vor sehr aktuell und spielt eine wichtige Rolle im öffentlichen wie wissenschaftlichen Diskurs – auch in der Freien und Hansestadt Hamburg und als Teil davon an der Universität Hamburg. Es fehlen allerdings verlässliche empirische Daten zu Kenntnissen, Gebrauch, Einstellungen und Erfahrungen des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs an der Universität Hamburg. Ziel der Umfrage war es deshalb, Daten zu Kenntnissen, Gebrauch und Einstellungen der geschlechtergerechten Sprache an der Universität Hamburg zu erfassen. Die Umfrage enthielt verschiedene offene und geschlossene Fragen sowie Bewertungsaufgaben. Sie war vom 08.10.2024 bis zum 30.11.2024 zugänglich und 3.568 Mitglieder der Universität haben vollständig teilgenommen. Durch die Förderung konnte eine studentische Hilfskraft zur Unterstützung des Projekts eingestellt werden.

Gemäß den Zielen des Projekts wurden erste Auswertungen durchgeführt und in Vorträgen präsentiert. Neben Erkenntnissen für die Linguistik können sie auch als Grundlage für die Implementierung weiterer Gleichstellungsmaßnahmen für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch an der Universität Hamburg dienen. Außerdem wurden die Daten aufbereitet, im Forschungsdatenrepositorium (FDR) der UHH nachhaltig gespeichert und inklusive einer ausführlichen Dokumentation (begrenzt) zugänglich gemacht, sodass sie für Mitglieder der Universität für weitere Auswertungen und sonstige Zwecke genutzt werden können (vgl. Sörries-Vorberger, Lars. (2025). GGS – UHH Geschlechtergerechte Sprache an der Universität Hamburg [Data set]. http://doi.org/10.25592/uhhfdm.16734).

Ergebnisse des Projekts zu Pronomenangaben in E-Mailsignaturen wurden im Sommer 2025 auf der 6. „International Conference on Gender Studies and Sexuality“ (Berlin) vorgestellt und publiziert: Pronoun Specification in German. In: Proceedings of the International Conference on Gender Studies and Sexuality, 2.1, 10-25. https://doi.org/10.33422/icgss.v2i1.1463

QLK – Queerlinguistisches Korpus

Das Projekt „QLK – Queerlinguistisches Korpus“ war ein einjähriges Pilotprojekt, gefördert durch den Gleichstellungsfonds der Stabsstelle Gleichstellung der Universität Hamburg. Das Projekt diente der Erstellung eines Korpus mit queeren Inhalten als Forschungsressource für Studierende und Forschende sowie zur Vorbereitung eines größeren Forschungsprojekts. Korpuslinguistische Untersuchungen zum Zusammenhang von Sprache und Sexualität stecken für das Deutsche noch in den Kinderschuhen – QLK trägt dazu bei, dieses Desiderat zu beheben und auf diese Weise weitere Forschung in den Bereichen Queerlinguistik und Queer Studies zu ermöglichen. Insbesondere korpuslinguistische Methoden erlauben es Unmengen an Texten automatisiert zu analysieren. Ergänzend dazu können mithilfe qualitativer Ansätze verdeckte (sprachlich konstituierte) Denk- und Handlungsmuster (z. B. der Christopher Street Day als politische Demonstration oder „schrille“ Feier) offengelegt werden.

Gemeinsam mit dem HCDS wurden Tools zur Datensammlung und -aufbereitung weiterentwickelt. Das „Queere Netzwerk des Tages“ (QNdT) ist Teil des „Netzwerk des Tages“. Es ist ein Programm, das zeitabhängige Beziehungen zwischen öffentlichen Akteur:innen (Personen und Organisationen) aus deutsch- und englischsprachigen Online-Nachrichten interaktiv visualisiert (s. u.).

Es wurden darüber hinaus drei Subkorpora aufbereitet, im Forschungsdatenrepositorium (FDR) der UHH nachhaltig (mit begrenzter Zugänglichkeit) gespeichert und teilweise in das Analysetool des HCDS (DATS – Discourse Analysis Tool Suite) implementiert. Die Subkorpora werden bereits in Lehrveranstaltungen am Institut für Germanistik der Universität Hamburg für Prüfungsleistungen oder Projektarbeiten genutzt. Die Subkorpora umfassen:

1. Queere Tiere (Allgemein, Pinguine, Schafe, Affen, Koalas, Giraffen, Vögel, Insekten, Maulwürfe, Geier) – 100 aufbereitete Texte, 52.627 Tokens > Das Korpus „Queere Tiere“ enthält Texte, die „queere“ Tiere in vielfältiger Weise thematisieren (bspw. Tiere, die gleichgeschlechtliches Sexualverhalten zeigen oder Tiere, die sich nicht eindeutig in das binäre Geschlechtsmodell einfügen lassen). Es handelt sich primär um journalistische und populärwissenschaftliche Texte aus frei verfügbaren Onlinequellen. (vgl. http://doi.org/10.25592/uhhfdm.16969)

2. Transstimmen (Allgemein, Oper, Logopädie) – 58 aufbereitete Texte, 54.542 Tokens > Das Korpus „Transstimmen“ enthält Texte, die phonetische Aspekte der Stimme von trans Personen thematisieren. Die Texte wurden ebenfalls frei verfügbaren Onlinequellen entnommen. Neben journalistischen Texten liegen auch Werbe- und Informationstexte aus der logopädischen Praxis und Therapieeinrichtungen vor. (vgl. http://doi.org/10.25592/uhhfdm.14434)

3. CSD-Berichterstattung (2020, 2021, 2022, 2023) – 120 aufbereitete Texte, 63.364 Tokens > Das Korpus „CSD-Berichterstattung“ enthält jeweils fünf journalistische Texte aus frei verfügbaren Onlinequellen zu den Städten Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, München und Stuttgart aus den Jahren 2020 bis 2023. (vgl. http://doi.org/10.25592/uhhfdm.14436)

Das Projekt ist im beantragten Rahmen erfolgreich beendet worden. Es sollte auch als Grundlage für weitere Forschungen und Anträge dienen. Auch dies konnte erfolgreich umgesetzt werden. Einerseits besteht eine langfristige Kooperation mit dem HCDS und andererseits konnte ein Cross-Disciplinary Teaching Lab (CDTL) der dritten Förderrunde des Data Literacy Lehrlabors 2024/25 eingeworben werden (s. 01.2.5). Dies knüpft an das QLK-Projekt an – QuZuKoDiLi: Queere Zugänge zur Korpus- und Diskurslinguistik (vgl. https://www.isa.uni-hamburg.de/ddlitlab/data-literacy-lehrlabor/dritte-foerderrunde/03-quzukodili.html).

Queeres Netzwerk des Tages

Das „Queere Netzwerk des Tages“ (QNdT) ist ein Programm, das zeitabhängige Beziehungen zwischen öffentlichen Akteur:innen (Personen und Organisationen) aus deutsch- und englischsprachigen Online-Nachrichten interaktiv visualisiert. Der Fokus liegt auf dezidiert queeren Inhalten, die auf Basis von Schlüsselwörtern in den RSS-Newsfeeds der Nachrichtendienste erkannt und gefiltert werden. Thematisch ähnliche Entitäten werden geclustert und mittels Knotenpunkte und Verbindungslinien zwischen den einzelnen Akteur:innen visualisiert. Eine Suchfunktion erlaubt es, die Entitäten im QNdT zu finden. Auf diese Weise ermöglicht das Netzwerk eine transparente und intuitive Exploration von aktuellen Ereignissen. Es sind sowohl quantitative als auch qualitative Analysen möglich, da einerseits Häufigkeiten der Entitäten angezeigt werden, andererseits aber auch eine direkte Verlinkung der Quelle erfolgt.

Das „Queere Netzwerk des Tages“ ist somit eine wertvolle Recherche- und Forschungsressource sowohl für Studierende und Forschende als auch für Journalist:innen, aber auch für alle anderen Interessierten.

Das „Netzwerk des Tages“ ist ein Programm, das vom „House of Computing and Data Science“ der Universität Hamburg entwickelt wurde und im Rahmen der Kooperation mit dem Pilotprojekt „Queerlinguistisches Korpus“ (Prof. Dr. Lars Vorberger, Universität Hamburg) um eine speziell queerlinguistische Perspektive (auch in englischsprachigen Onlinemedien) erweitert wurde.

Das „Queere Netzwerk des Tages“ finden Sie hier:

Deutsch: https://qnod.ltdemos.informatik.uni-hamburg.de/

Englisch: https://qnoden.ltdemos.informatik.uni-hamburg.de/

Weitere Informationen zum allgemeinen  „Netzwerk des Tages“ finden Sie unter: https://www.inf.uni-hamburg.de/en/inst/ab/lt/resources/demos/network-of-the-day.html

Referenzen Nichtbinarität

Die Diskussion über sprachliche Nicht-Binarität befindet sich für den deutschen Sprachraum noch am Anfang. Ich beschäftige mich unter anderem mit Verweisen auf nicht-binäre Menschen im Deutschen. In einer Studie habe ich Leitlinien zur geschlechtergerechten Sprache ausgewertet. Im Mittelpunkt der Studie steht jedoch eine Online-Befragung zur Bekanntheit, Verwendung und Akzeptanz von Referenzen für nicht-binäre Menschen. Sie wird als „Strategies for Referring to Non-Binary Individuals in German: An Empirical Analysis.” im Sammelband „Challenging the Binary: Non-Binary, Genderqueer, and Gender-Neutral Language” veröffentlicht. Wenn Sie Interesse an dem Thema oder an den Ergebnissen haben, wenden Sie sich gerne an mich.

Bezeichnungen der Genitalien & dahinterstehende Konzepte

Ich habe mich mit der deutschen Genitallexik beschäftigt, also Bezeichnungen für Vulvina und Penis, sowie deren gesellschaftliche Implikationen. In mehreren Vorträgen habe ich über das Thema gesprochen und demnächst erscheint ein Artikel dazu. Die Analyse umfasst 1.550 Genitalbezeichnungen (855 für Penis und 695 für Vulvina), die mithilfe eines induktiv-deduktiven Verfahrens nach Quelldomänen und Motivationen kategorisiert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Penisbezeichnungen aus den Kategorien Gegenstände, Werkzeuge und Körperteile stammen, während Vulvinabezeichnungen häufig auf Bezeichnungen für Behälter oder Landschaften zurückzuführen sind. Die dominantesten Formmerkmale für Penisbezeichnungen sind länglich, spitz und hart; für Vulvinabezeichnungen hohl, tief und rund. Verschiedene Metaphern wie Genitalien sind Tiere, Penis ist Waffe und Vulvina ist Loch lassen sich bestimmen.  Das dominante Muster hinter den Bezeichnungsverfahren ist das des aktiven Penis (bspw. Hammer), der in die passive – ihm dienende – Vulvina eindringt und sie füllt (bspw. Dose). Dies und hinter den Bezeichnungsverfahren stehende Konzepte produzieren und reproduzieren gesellschaftliche Macht-, Geschlechts- und Normativitätsstrukturen. Letztlich prägen die Bezeichnungen – als lexikalisierte gesellschaftliche Vorstellungen – das Wissen über Genitalien und Geschlecht und tragen zur Aufrechterhaltung von Binarismen bei. Die Untersuchung kann somit Erkenntnisse und Anregungen für Bezeichnungen innerhalb von Diskursen über sexuelles Lustempfinden, Gesundheitsdiskursen (Prävention, Verhütung usw.), Informations- und Aufklärungsdiskursen (Bildungseinrichtungen) sowie für eine Enttabuisierung liefern.

Die Ergebnisse sind publiziert: Sörries-Vorberger, Lars (2025): Vulva oder DosePenis oder Dödel? Genitalbezeichnungen, Konzepte und Implikationen im Verhältnis zu Geschlecht und Sexualität. In: Sörries-Vorberger, Lars / Linseisen, Elisa / Segler-Meßner, Silke (Hg.): Gendering Knowledge. Intersektionale Perspektiven auf Wissen und Macht. Opladen u. a.: Verlag Barbara Budrich. S. 196-220. https://doi.org/10.3224/84743111  

Lehrprojekt Gender Equality

Im Wintersemester 2023/2024 fand das Projektseminar „Gender Equality + Medien- und Sprachwissenschaft“ (Leitung: Prof. Dr. Elisa Linseisen und Prof. Dr. Lars Vorberger, gefördert als Lehrteam von der UHH) statt. Inspiriert wurde der Seminartitel vom fünften Sustainable Development Goal der UN: Gender Equality. Im Mittelpunkt des Seminars stand die Frage, was Gender Equality überhaupt bedeutet, wie sie erreicht werden kann und wie Sprache, Medien und Geschlechtergerechtigkeit einander beeinflussen und bedingen. Studierende betrachteten das Thema aus einer interdisziplinären und intersektionalen Perspektive und verknüpften es mit anderen nachhaltigkeitsbezogenen Fragestellungen. An den Aktionstagen im Hamburger Kulturkaufhaus JUPITER (09.-10.12.2023) zum Thema „Vielfalt und soziale Teilhabe für Nachhaltige Entwicklung“ haben die Studierenden ihre inhaltlich wie medial vielfältigen Ergebnisse ausgestellt und allen Besucher*innen des JUPITERs präsentiert.

Eine Verstetigung des Konzepts ist in Planung.

Sprachvariation und Sprachwandel in Hessen

vgl. Vorberger, Lars (2019): Regionalsprache in Hessen. Eine Untersuchung zu Sprachvariation und Sprachwandel im mittleren und südlichen Hessen. Stuttgart: Steiner (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beihefte 178).

Sprachvariation auf Rügen

vgl. Vorberger, Lars (2016): Niederdeutsch auf Rügen. Eine synchrone Untersuchung zum Niederdeutschen in Bergen auf Rügen. In: Niederdeutsches Jahrbuch. Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, 139, S. 153–171.

vgl. Vorberger, Lars (2017): Hochdeutsch auf Rügen – Eine Untersuchung zum Regiolekt in Bergen auf Rügen. In: Arendt, Birte / Bieberstedt, Andreas / Ehlers, Klaas-Hinrich (Hg.): Niederdeutsch und regionale Umgangssprache in Mecklenburg-Vorpommern. Strukturelle, soziolinguistische und didaktische Aspekte. 1. Frankfurt am Main: Peter Lang. S. 145–165.

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